938 So unbedeutend dieſer Umſtand war, ſo beſchaͤftigte er mich doch geraume Zeit. Ich wollte mir ſelbſt nicht ge⸗ ſtehen, daß meine Freundſchaft fuͤr Miß Vernon ſich mit irgend einer eigennuͤtzigen Abſicht verbaͤnde, doch war mir der Gedanke aͤußerſt unbehaglich, daß ſie irgend jemand eine geheime Zuſammenkunſt zu einer Zeit und an einem Orte geſtatte, wo ich ihr um ihrer ſelbſt willen mit eini⸗ ger Verlegenheit von meiner Seite zu zeigen mich bemuͤht hatte, daß es ſich fuͤr mich nicht ſchicke, ſie zu beſuchen.
„Thoͤrichtes, leichtſinniges, unfolgſames. Mädchen!“ ſagte ich zu mir ſelbſt,„an das jeder gute Rath und jede zarte Ruͤckſicht weggeworfen ſind. Ich bin getaͤuſcht wor⸗ den, durch die Einfachheit ihres Weſens, das ſie, blos um ſich auszuzeichnen, ſo leicht aunehmen kann, als ſie einen Strohhut aufſetzt, wenn er mode wird. Ich glaube trotz ihres ausgezeichneten Verſtandes gibt ihr die Geſellſcaft von einem Dutzend Tölpel, mit denen ſie Karten ſpielen kann, mehr Vergnuͤgen, als wenn Arloſto ſelbſt vom Tode erwachte.“
Dieſer Gedanke draͤngte ſich mir um ſo ſtaͤrker auf, weil ich meinen Muth zuſammengenommen, und Diana gebeten hatte, Martha auf dieſen Abend zu einer Thee⸗ parthie in die B bliothek einzuladen, indem ich ihr meine Ueberſezung des erſten Buchs von Arioſto zeigen wollte. Dieß war von Diana unter einem Vorwand, den ich fuͤr nictig hielt, abgelehnt worden. Dieſer unangenehme Ge⸗ genſtand hatte mich indes nicht lange beſchaͤftigt, als die yintere Gortenthuͤre ſich oͤffnete, und Audreas mit feinem ſchwerbepackten Landomann den vom Mrondſchein erhellten Gang heraufkam, und meiner Aufmerkſamkeit eine andete Richtung gab⸗


