Teil eines Werkes 
101. Band, Robin der Rothe : 2. Theil (1828) Rob Roy
Entstehung
Einzelbild herunterladen

97

alſo der gemeinen Meinung und dem Ausdruck ſeines Bru⸗ ders Wilfred nach, ſich um Geiſter und Geſpenſter, um Teufel und Koholde nicht zu bekümmern. Ja, die Dienſt⸗ boten behaupteten, ſie haͤtten gehoͤrt, wie er ſich in der Bibliothek mit Jemand unterredete, wenn jede lebende Seele in der Famille zu Bette geweſen ſey; er hätte die Naͤchte wachend mit Geiſtern zugebracht, und morgens noch im Bette geſchlafen, wo er als ein aͤchter Osbaldiſtone an der Spitze der Hunde haͤtte ſein ſollen.

Alle dieſe abgeſchmakten Geruͤchte hatte ich mir aus

halben Winken und abgebrochenen Reden entnommen, und

wie man ſich leicht vorſtellen kann, ſpoͤttiſch daruͤber gelacht. Die völlige Einſamteit dieſes uͤbel berüchtigten Zimmers nach der Abendglocke war fuͤr mich ein Grund mehr, Miß Vernon nicht zu ſtoͤren, wenn ſie Abends darin war. Daruͤber alſo, daß Licht im Bibliothekzimmer war, konnte ich nicht erſtaunt ſeyn, aber ich war etwas betroffen, als ich deutlich die Schatten von zwei Perſonen hingleiten, und das erſte Fenſter verdunkeln ſah. Das muß die alte Martha ſeyn, dachte ich, welche von Diana gebeten wurde, ißr dieſen Abend Geſellſchaft zu leiſten, oder ich muß mich getaͤuſcht, und Dianas Schatten fuͤr eine zweite Perſon genommen haben. Nein! bei Gott! jeztiauch am zweiten Fen⸗ ſter, zwei Geſtalten deutlich gezeichnet, jetzt verlie⸗ ren ſie ſich wieder, jetzt ſind ſie am dritten, jetzt am vierten; wer kann in Dianas Geſellſchaft ſeyn? Die Schatten ſtrichen zweimal zwiſchen dem Licht und den Fen⸗ ſtern hin, gleichſam als ſollte ich mich von der Richtigkeit meiner Beobachtung überzeugen; dann wurden die Lichter ausgelöſcht, und die Schatten verſchwanden mir ihnen. Sott's Werke. CI. 3 7