. 54 3 Erziehung mich faͤhig machte, Miß Vernon zu unterrich ten und zu leiten.“
„Ohne Zweifel war das Fraͤulein dieſer Meinung?“ —„Dus duͤrft Ihr nicht gerade vorausſetzen,“ antwor⸗ tete Raſhleigh verneinend, waͤhrend der Ton eine voͤllige Bejahung ausdruͤckte,„— Freundſchaft,— blos Freund⸗ ſchaft knuͤpfte das Band zwiſchen uns, und die zaͤrtliche Zuneigung eines jugendlich offenen Gemuͤths an ſeinen ein⸗ zigen Lehrer. Liebe blieb uns fern,— ich ſagte Euch, ich wäͤrde fruͤyzeitig weiſe.“
Ich fuͤhlte keine Neigung, dieſe Unterredung noch wei⸗ ter fortzuſetzen, machte mich von Raſhleigh los, und zog mich in mein Zimmer zurück, worin ich, ſo viel ich mich entſiane, heftig bewegt auf⸗ und abging, und die Ausdrücke, die mich am meiſten beleidigt hatten, laut wiederholte.— „Empfaͤnglich,— feurig,— zaͤrtliche Neigung— Liebe!— Diana Vernon, das ſchoͤnſte Geſchoͤpf, das ich je ſah, ihn lieben, den ſaͤbelbeinigen, dicknaͤckigen, hinkenden Schur⸗ ken! Der ganze Richard bis auf den Buckel!— Und doch, die Gelegenheit, die er waͤhrend ſeiner verfluchten Unter⸗ richtsſtanden haben mußte,— die fließende Leichtigkeit des Menſchen, ſeine Gedanken auszudruͤcken;— ihre voͤllige Trennung von allen, die mit geſundem Menſchenverſtand ſprachen und handelten, ja, und ihr offenbarer Unmuth ge⸗ gen ihn, bei der Bewunderung ſeiner Talente, das ſieht der Empfindlichkeit uͤber eine vernachlaͤßigte Zuneigung ſo aͤhnlich, als etwas.— Nun, und warum ſtuͤrme und raſe denn ich deshalb? Iſt Diana Vernon das erſte buͤbſche Maͤdchen, das einen haͤßlichen Burſchen geliebt oder ge⸗ heirathet hat? Und wenn ſie von jedem dieſer Osbaldi⸗ ſtones frei waͤre, was ging das mich an? Eine Katholi⸗


