54 Wamba. 9 Tybald, lieb Tybald, wecke mich nit, Da an mein ſüs Bett mir der ſüße Traum tritt. Was ſind wohl die Freuden der wachenden Welt, Gegen ſolch ein Entzücken, lieb Tybald, geſtellt, Laß die Vögel in die ſchwindenden Nevel ſingen, Laß das Jägerhorn laut an dem Hügel erklingen, Süßrer Ton, ſüßre Freuden entzückten mich hier, Doch, denk nicht, lieb Tybald, ich träumte von Dir!
„Ein lieblicher Sang!“ verſetzte Wamba, als ſie damit zu Ende waren;„und, ich ſchwoͤr es bei meiner Narrenkappe, eine huͤbſche Moral!— Ich ſang es oft mit Gurth, der einſt mein Spielkamerad⸗ jezt aber durch die Gnade Gottes und unſres Gebieters nichts Geringeres, als ein freler Mann geworden iſt; wir bekamen einmal Pruͤgel ob dieſer Melodie, da ſie uns ſo wohl gefiel, daß wir ſie zwei Stunden nach Sonnenaufgang— noch zwiſchen Wachen und Schlafen im Bette ſangen— es juckt mir noch in den Gliedern, wenn mir dieſe Sangweiſe in den Mund kommt. Deſſen ungeachtet hab' ich Euch zu Gefallen die Rolle Anna Marei's uͤbernommen.
Darauf begann dann der Narr ein neues Lied, in welches der Ritter, ſchnell die Sangweiſe erfaſ⸗ ſend, mit einſtimmte:
Der Ritter und Wamba.
Drei muntre Geſellen von Nord, Weſt und Süd
Die ſangen ſtets luſtig ihr Ringellied, Zu gewinnen die Wittwe von Wycombe fein.— Und wo war die Wittwe, die ſagte nein?


