35 Gefuͤhlen abtrünnig geworden. Ich ſage Dir, ſtolzer Templer, in Deinen ſtolzeſten Schlachten haſt Du nicht mehr von Deinem geruͤhmten Muth entwickelt, als Weiber bewieſen, wenn Liebe oder Pflicht ge⸗ bot. Ich bin ein Weib, zaͤrtlich erzogen, das von Natur vor Gefahren erbebt, und vor Schmerzen zagt, und doch wird, wenn wir in die Schranken treten, unſer Schickſal entſcheiden, Du um zu kaͤmpfen, ich um zu dulden, ich lebe der ſtolzen Zuverſicht, die mein Muth den Deinen uͤberſteigen. Lebe wohl! Ich verſchwende keine Worte mehr an Dich!— Die Lebensfriſt, die der Tochter Zions auf Erden noch uͤbrig bleibt, muß anders angewendet werden!— Sie muß den Troͤſter ſuchen, der zwar ſein Antlitz
vor ſeinem Volke verbergen mag, aber ſtets ſein 1*
Ohr dem Rufe derer oͤffnet, die ihn in Wahrheit und mit aufeichtigem Herzen ſuchen.“
„So ſcheiden wir denn!“ ſprach der Templer nach kurzer Pauſe;„wollte Gott, wir haͤtten uns nie getroffen, oder Du waͤreſt von edler Geburt und
chriſtlichem Glauben! Nein, beim Himmel! wenn ich
Dich ſo anſchaue, und bedenke, wann und wie wir uns wieder treffen ſollen, ſo koͤnnt' ich ſogar wuͤn⸗ ſchen, daß ich einer von Deiner entwuͤrdigten Nation, daß meine Hand lieber mit Goldklumpen und Beu⸗ teln, als mit Lanze und Schwert vertraut waͤre, daß mein Haupt ſich vor jedem winzigen Edelmann beugte⸗ und mein Bäick nur dem huͤlfloſen Schuldner fuͤrch⸗
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