Teil eines Werkes 
46. Band, Ivanhoe : 4. Theil (1827)
Entstehung
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laßt mich nicht ſo in Eurer Gegenwart behandeln, es ziemt ſich nicht, daß ein Maͤdchen von ſo rohen Haͤn⸗ den entkleidet werde. Ich will Euch gehorchen, fuhr ſie fort mit einem Ausdruck leidenden Kummers, und dem Ton einer Stimme, der ſelbſt beinahe Beau⸗ manoirs Herz geſchmolzen haͤtte,ihr gehoͤrt zu den Aelteſten Eures Volkes, ſo will ich Euch auf Euern Befehl das Angeſicht eines ungluͤcklichen Maͤdchens zeigen.*

Sie ſchlug den Schleier zuruͤck, und zeigte ein Au⸗ geſicht, in dem ſich Scham mit Wuͤrde einigte. Ihre ausnehmeude Schoͤnheit erregte ein Gemurmel des Erſtaunens, und die juͤngeren Ritter ſagten es ſich durch Blicke, daß Brians beſte Vertheidigung in der Macht ihrer wirklichen Reize liege, und keiner einge⸗ bildeten Zauberei beduͤrfe. Higg, der Sohn Suells, fuͤhlte am tiefſten den Eindruck, welchen der Anblick ſeiner Wohlthaͤterinn auf ihn machte.Laßt mich fort! ſprach er zu den Waͤchtern am Thore der Halle. Sie nochmals anzuſehen, wuͤrde mich toͤdten, da ich Theil an ihrer Ermordung habe.

Sei ruhig, armer Mann, ſprach Rebekka, als ſie ſeinen Ruf vernahm,du haſt mir durch deinen wahrhaften Bericht kein Leid gethan, du kannſt durch dein Klagen und Jammern mir nicht helfen. Sei ruhig, ich bitte dich! Geh heim, und rette dich ſelbſt! Aus Mitleid fuͤr Higg, deſſen laute Klagen ihnen Verweiſe und ihm ſelbſt Strafe zuziehen konn⸗ ten, wollten ihn die Thorwaͤchter hinausfuͤhren. Allein