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tiſche Auwendung ſeines Grundſatzes ſogleich zu wi⸗ derlegen.
Higg, der Sohn Snells, zog ſich in den Haufen zuruͤck, allein theilnehmend an dem Schickſal ſeiner Wohlthaͤterinn blieb er ſelbſt auf die Gefahr hin da, dem finſtern Blicke des ſtrengen Richters abermals zu be⸗ gegnen, obwohl ſein innerſtes Herz ihm vor Angſt erbebte.
Jezt gebot der Großmeiſter Rebekka, ſich zu ent⸗ ſchleiern, Zum erſten Male ihren Mund oͤffnend, entgegnete ſie gelaſſen, aber mit Wuͤrde:„Es ſei nicht Sitte bei den Töchtern ihres Volkes, ihr Ange⸗ ſicht zu enthuͤllen, wenn ſie ſich allein in großer Ver⸗ ſammluung befaͤnden.“ Der liebliche Ton ihrer Stimme und die Gelaſſenheit ihrer Antwort erregte bei der Verſammlung ein Gefuͤhl des Mitleids und der Theil⸗ nahme. Allein Beaumanoir, dem die Unterdruͤckung jeglichen Gefühls von Menſchlichkeit, das ſeinen ver⸗ meintlichen Pflichten widerſtreiten konnte, ein Ver⸗ dienſt zu ſein ſchien, wiederholte ſeinen Befehl, daß ſein Schlachtopfer entſchleiert werden ſollte. Schon wollten ihr die Wachen den Schleier entreißen, als ſie ſchnell vor den Großmeiſter trat und ſprach:„Um der Liebe willen, die Ihr zu Euern eigenen Toͤch⸗ tern tragt!— Doch,“ fuhr ſie ſich beſinnend fort, „Ihr habt ja keine Toͤchter; bei dem Andenken an Eure Muͤtter!— bei der Liebe Eurer Schweſtern, und bei allem weiblichen Anſtand beſchwoͤre ich Euch,


