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er verſprach, ſich ſtill zu verhalten, und ſo ward ihm zu bleiben geſtattet. Die beiden Dienſtleute, welche Albert Malvoiſin nicht verfehlt hatte, von der Wich⸗ tigkeit ihres Zeugniſſes zu belehren, wurden nun vor⸗ gerufen. Obgleich ſie verhaͤrtete und verſtockte Boͤſe⸗ wichter waren, ſo ſchien ſie doch der Anblick des ge⸗ fangenen Maͤdchens und die auſſerordentliche Schoͤnheit deſſelben fuͤr den erſten Augenblick verwirrt undverlegen zu machen, allein ein bedeutender Blick des Praͤzeptors von Templeſtowe brachte ſie zu ihrer niedertraͤchtigen Entſchloſ⸗ ſenheit zuruͤck. Mit einer Genauigkeit, welche ſelbſt parteyiſcheren Richtern haͤtte verdaͤchtig erſcheinen ſol⸗ len, berichteten ſie eine Menge theils erdichteter, theils an ſich geringfuͤgiger Umſtaͤnde, die nur durch Ueber⸗ treibung und Entſtellung und die unguͤnſtige Deu⸗ tung, welche die Zeugen den Thatſachen beilegten, ein verdaͤchtiges Gewicht erhielten. In neuern Zeiten wuͤrden die gegen die Angeſchuldigte vorgebrachten Zeug⸗ niſſe in zwei Klaſſen zerfallen— in ſolche, die unwe⸗ ſentlich— und in ſolche, die in der That phyſiſch un⸗ moͤglich waren. Allein in jenen Zeiten des Aberglau⸗ bens wurden ſie leicht als Beweiſe von Schuld ange⸗ nommen. Zur erſten Klaſſe gehoͤrte, daß man Re⸗ bekka in unbekannten Sprachen mit ſich ſelbſt reden hoͤrte— daß ihre Geſaͤnge ſo wunderbare und ſuͤße Toͤne enthielten, bei denen der Hoͤrenden Ohr erklun⸗ gen, und das Herz zur Wehmuth geſtimmt worden ſei— daß ſie, wenn ſie allein mit ſich ſelbſt rede, W. Scott's ſaͤnmtl. Werke. XLVI. 11


