155 von den Reizen dieſes Weibes bethoͤrt werden konnte, das ich blos in der Abſicht in dieſes Haus aufnahm, um ihrer wachſenden Vertraulichkeit Schranken zu ſetzen, da ſie ſonſt leicht den Fall unſres tapfern und frommen Bruders herbeigefuͤhrt haͤtte.“
„So iſt denn bis jetzt nichts zwiſchen ihnen vor⸗ gefallen, wodurch er ſein Geluͤbde gebrochen haͤtte?“ fragte der Großmeiſter.
„Wie, unter dieſem Dache?“ rief der Praͤzeptor ſich bekreuzend,„heilige Magdalene und Ihr zehntau⸗ ſend Jungfrauen, ſeid bei uns!— Nein! Wenn ich ſuͤndigte, daß ich ſie hier aufnahm, ſo geſchah es in der irrigen Meinung, daß ich ſo die wahnſinnige Nei⸗ gung unſers Bruders zu dieſer Juͤdinn unterdruͤcken moͤchte, die mir ſo wild und unnatuͤrlich ſchien, daß ich es einer Art von Geiſtesverwirrung zuſchreiben mußte, die eher durch Mitleid als Vorwurf geheilt werden noͤchte. Seitdem aber Eure ruhmwurdige Weisher in dieſem juͤdiſchen Weibsbild eine Zaube⸗ rinn entdeckt hat, ſo mag ſich vielleicht hiedurch ſein Liebeswahnſinn hinlaͤnglich erklaͤren laffen,“
„So iſt's! ſo iſt's!“ rief Beaumanoir„ teh', Bruder Konrad, welch' eine Gefahr es iſt, ſich der Eingebung und Verblendung des Satans hinzuge⸗ ben! Wir blicken auf die Weiber anfaͤnglich nur, um die Augenluſt zu befriedigen, und uns an dem, was die Leute Schoͤnheit heißen, zu vergnuͤgen, und ſo ge⸗ winnt der alte Erbfeind Macht uͤber uns, um durch


