192 gleich er ſich dadurch nur augenblickliche Friſt zu ver⸗ ſchaffen ſuchte, ſeine Gedanken zu ordnen.
„Sprecht, es iſt Euch vergoͤnnt!“ verſezte der Großmeiſter;„ſprecht und ſagt, kennt Ihr das erſte unſrer Ordensgeſetze:—„De commilitonibus Templi in sancta civitate, qui cum miserrimis mu- Heribus versantur, propter oblectationem carnis?*.
„Gewiß, hochwuͤrdiger Vater!“ antwortete der Praͤzeptor,„ich ward nicht zu dieſem hohen Ordens⸗ amt erhoben, ohne daß mir eines ſeiner wichtigſten Gebote bekannt geweſen waͤre.“—
„Wie kommt es denn, frage ich dich noch einmal, daß du geduldet haſt, daß ein Bruder ſeine par amours und noch dazu eine juͤdiſche Zanberinn in dieſe hei⸗ lige Staͤtte gebracht hat, zur Befleckung und Verun⸗ reinigung derſelben?“ 1
„Eine juͤdiſche Zauberinn!“ wiederholte Albert Malvoiſin,„Engel des Himmels bewahret uns!“
„ ,a, Bruder, eine jüͤdiſche Zauberinn!— Kannſt du es laͤugnen, daß jene Rebekka, die Tochter des ruchloſen Wucherers Iſaak von York, der Zogling je⸗ ner hoͤlliſchen Here Miriam, jetzt— Schande, daß man es ausſprechen, ja nur denken muß!— ſich jezt innerhalb dieſes Praͤzeptoriums befindet!“
„Eure Weisheit, hochwuͤrdiger Vater,“ erwiederte der Praͤzeptor,„hat die Finſterniß von meinem Geiſte weggenommen. Immer wunderte mich, wie ein ſo
euter Nitter, wie Brian de Bois Guitbert ſo ſehr
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