—,—
171
das Alles genuͤgender Erſatz fuͤr die Aufopferung jed⸗ weden zaͤrtlichen Gefuͤhls, fuͤr ein Leben im Elende zugebracht, um Andre elend zu machen? Oder haben die rohen Reime eines wandernden Barden ſolchen Zauber, daß man fuͤr haͤusliche Liebe, zaͤrtliche Zu⸗ nelgung, Frieden und Gluͤck ſo unbedingt den unbe⸗ dachten Tauſch trifft, um der Held von Balladen zu werden, die heimathloſe Baͤnkelſaͤnger betrunkenen Bauerluͤmmeln beim Abendbiere vorlitaneien?“
„Nein bei der Seele Herewards!“ entgegnet, der Ritter ungeduldig;„Du ſprich wie der Blinde von der Farbe. t reine Licht der Ritterlichkeit verloͤſchen, die allein den Edeln von dem Niedriggeſinnten, den Ritter vom Sklaven und vom Wilden unterſcheidet?— das den Werth unſres Lebens weit, weit unter den der Ehre ſtellt?— uns ſiegreich uͤber Muͤhe, Arbeit und Schmerz erhebt, und uns lehrt, nichts als die Schande zu fuͤrchten? Du biſt keine Chriſtinn, Rebekka; Dir ſind dieſe hohen Geſuͤhle fremd, die den Buſen des edeln Maͤdchens ſchwellen, wenn ihr Liebhaber eine ruhmyolle That vollbrachte, die ſeine Flamme adelt. Ritterlichkeit, Maͤdchen, iſt die Pflegerinn der rein⸗ ſten, hoͤchſten Liebe— der Stab der Unterdruͤckten, die Wiederherſtellerinn des Rechts, die Demuͤthige⸗ rinn der Tyrannenmacht!— Der Adel waͤre ohne ſie ein leerer Schall und Freiheit ſindet den beſten Schutz unter ihrer Lanze und ihrem Schwert!“
—


