Schuld.— Mein eigenes Erbe iſt das Eure geworden,—
108 8 4 ter zu feinem unausſprechlichen Schrecken unter entſetzli⸗
chem Geſtoͤhne an ſeiner Seite verſchieden war.
Raſhleigh lebt noch, war aber ſo ſchrecklich verwun⸗
der, daß der Boden der Kutſche mit ſeinem Blute angefuͤllt
war, und lange Spuren den Weg bis in die Steinhalle bezeichneten, wo man ihn in einen Stuhl ſetzte, und eini⸗ ge das Blut zu ſtillen ſuchten, andere nach einem Wund⸗
arzt riefen, und niemand Willens ſchien, einen zu holen.
„Quaͤlt mich nicht,“ ſagte der Verwundete;„fuͤr mich iſt keine Huͤlfe, ich ſterbe.“ Er richtete ſich auf in dem Leynſtuhle, obgleich ſchon Todtenblaͤſſe ſeine Stirne bedeckte, und ſprach mit einer Feſtigkeit, die uͤber ſeine Kraͤfte zu gehen ſchien:„Vetter Franz, tretet naͤher.“* Seinem Verlangen gemaͤß trat ich zu ihm.„Ich wil Euch blos ſagen, daß auch die Todesqual meine Geſinnungen ge⸗
gen Euch nicht aͤnderte. Ich haſſe Euch!„ſagte er, und
der Ausdruck der Wuth entzuͤndete noch einmal ein ſcheuß⸗
liches Feuer in den Augen, die bald fuͤr immer geſchloſſen
ſeyn ſouten,—„ich haſſe Euch jetzt noch, da ich blutend vor Euch liege, ſo heftig, als ob mein Fuß auf Eurem Na⸗ cken ſtuͤnde. 2
„Ich habe Euch keine Urſache dazu gegeben, und um Euretwillen wuͤnſche ich, daß Ihr in einer ruhigern Stim⸗ mung ſeyn moͤchtet.“
„Ihr habit mir Urfache gegeben,“ erwiederte er,„in
der Liebe, auf dem Pfade des Ehrgeizes und des Vor⸗
theils ſeyd Ihr mir in den Weg getreten, und habt mich gehindert. Ich war geboren, die Ehre meines Hauſes zu werden, und bin ſeine Schande geworden,— das iſt Eure


