Teil eines Werkes 
104. Band, Robin der Rothe : 5. Theil (1828) Rob Roy
Entstehung
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Der Beamte blieb bei mir bis zum Abend, band danu endlich ſeine Papiere zuſammen, entfernte ſich nach ſeiner ei. genen Wohnung, und ließ mich in jenem verwirrten Zuſtande zurück, wo wir ſelbſt nicht wiſſen, ob wir Geſellſchaft oder Einſamkeit wünſchen. Ich hatte indeſſen nicht die Wahl, denn ich war allein gelaſſen in dem Zimmer, das vor allen andern mich mit duſtern Betrachtung n erfüllen mußte.

Bei Einbruch der Dämmerung hatte Andreas die Vor⸗ ſicht, den Kopf zur Thuͤre hereinzuſtrecken, nicht um mich zu fragen, ob ich Licht wolle, ſondern es mir als eine Vorſichts⸗

naaßregel gegen die Geſpenſter anzurathen, die noch immer ſeine Einbildungskraft quälten. Ich wieß ſeinen Vorſchlag ziemlich muͤrriſch e, ſchuͤrte das Fuer, warf mich in einen der großen ledernen Stühle, die zur Seite des alten gothi⸗ ſchen Kamins ſtanden, und ſtarrte träumend in die kniſternde Flamme.Das iſt der Fortgang und das Ende menſchli⸗ cher Wünſche! ſprach ich zu mir ſelbſt. Sie werden genährt durch Kleinigkeiten, entflammt von der Phantaſie, und ge⸗ naͤhrt vom Hauche der Hoffnung, bis ſie endlich verzehren, was ſie entzündet haben, und der Menſch mit ſeinen Hoff⸗ nungen, Leidenſchaften und Wünſchen zu einem veraͤchtli⸗ chen Aſchenhaufen zuſammenſinkt. 4

Ein tiefer Seutzer von der entgegengeſezten Seite des Zimmers ſchien meinen Betrachtungen zu antworten. Ich ſtarrte auf Diana Vernon ſtand vor mir, gelehnt auf den Arm eines Mannes, der dem ofterwähnten Bildniſſe ſo auf⸗ fallend glich, daß ich haſtig auf den Rahmen blickte, ob er nicht leer ſei. War ich wahnſinnig geworden, oder ſtanden die Geiſter der Todten auf? Ein zweiter Blick überzeugte mich aber, daß ich bet Sinnen ſei, und lebende Geſtalten

vor mir ſtunden. Es war Diana ſelbſt, obgleich bleicher und