15 es, die der Reitermantel verhuͤllte,— pfiff luſtig, mich nachaͤffend den zweiten Theil der Weiſe, die auf meinen Lippen war, als ſie mich erreichten.
„Guter Gott!“ rief ich, wie vom Donner geruͤhrt; „iſt es moͤglich, Miß Vernon, an dieſem Ort,— zu einer ſolchen Stunde,— in einem ſo geſetzloſen Lande,— in“———
„In maͤnnlicher Kleidung, wolltet Ihr ſagen. Aber was ſoll das bedeuten? Am Ende bleibt es doch die beſte
Philoſophie, laßt die Welt gehen, wie ſie geht.“
Waͤhrend ſie ſo ſprach, benußte ich eifrig einen unge⸗ woͤhnlich hellen Mondſtrahl, um ihren Begleiter ins Auge zu faſſen, denn man kann ſich leicht vorſtellen, daß ich zu lebhafter Eiferſucht gereizt, und überraſcht ſeyn mußte, als ich Diaua an einem ſo einſamen Orte, auf einer ſo gefahrvollen Reiſe und unter dem Schutze eines einzigen Mannes fand. Es war nicht Raſhleighs tiefe, melodlſche Stimme, ſein Ton war hoͤher und befehlender, dabei war er groͤßer, als jener Hauptgegenſtand meines Haſſes und Arg⸗ wohns. Eben ſo wenig glich er einem meiner andern Vet⸗ tern; ſeine Anrede hatte jenen nicht zu beſchreibenden Ton, woran man gleich in den erſten Worten den Mann von Verſtand und Bildung erkennt.
Mein forſchender Blick ſchien ihm laͤſtig zu ſeyn. „Diana,“ ſagte er, halb guͤtig, halb gebieteriſch,„gebt Eurem Vetter ſein Eigenthum, wir duͤrfen hier keine Zeit verlieren.“
Miß Vernon hatte inzwiſchen ein kleines Futteral her⸗ vorgeholt, beugte ſich vom Pferde zu mir herab, und ſagte in einem Tone, worin ihre gewohnte Leichtigkeit im Aus⸗ drucke mit einer tiefern ernſtern Empfindung ſtritt.„Ihr


