107 Geſichte ſich diefelben Gefuͤhle mahlten, und er konnte ſei⸗ nen Abſcheu nicht ganz unterdruͤcken, ſo daß er mir die Worte zulluͤſterte:
„Das iſt eine blutige That, ein grauſamer Mord, Gott wird es raͤchen zu ſeiner Zeit.“
„Ihr fuͤrchtet alſo nicht, daß Ihr ihm folgen muͤßt?“ fragte Helene mit einem furchtbaren Blicke auf ihn, unge⸗ faͤhr wie der Habicht auf ſeine Beute, ehe er niederfaͤhrt.
„Baſe,“ erwiederte Jarvie; niemand wird mit Wil⸗ len ſeinen Lebensfaden abſchneiden, ehe man das Ende des Knaͤuels gehoͤrig auf die Garnwinde gewunden hat. Und ich habe noch viel zu thun in dieſer Welt, wenn man meines Lebens ſchont,— oͤffentliche und eigene Geſchaͤfte, und habe auch Angehoͤrige, wie meine arme Mattie, die eine Watlſe iſt,— ſie iſt eine ferne Baſe des Lairds von Limmerfields,— ja, wenn man alles bedenkt, ſo gibt ein Mann fuͤr ſein Leben alles, was er hat.“
„Und wenn ich Euch in Freiheit ſetzte, was wuͤrdet Ihr dem Erſaͤufen des ſaͤchſiſchen Hundes fuͤr einen Na⸗ men geben?“
„Uhl uh!— hum! hum!“ ſagte der Rathmann, und ſuchte durch Huſten ſeine Kehle ſo rein als moͤglich zu machen. Ich wuͤrde mich bemuͤhen, ſo wenig daruͤber zu ſagen, wie moͤglich. Mit Schweigen ſich verred't Nie⸗ mand!“
„Wenn Ihr aber vor Euren Gerichtshoͤfen gefragt wuͤrdet, was waͤre da Eure Antwort?“
Der Rathmann blickte hin und her, als ſuchte er eine Auskunft, und antwortete endlich, wie einer, der ſich nicht mehr zuruͤckziehen kann, und ſich zum Kampfe ruͤſten muß: „ich ſehe wohl, wohin Ihr mich treiben wollt. Aber ich


