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geruͤhrt von dem mannigfachen Ungluͤck, dem unſaͤglichen Elend, ſeiner ſtets wachſenden Maſſe von Verbrechen und Kummer,— du koͤnnteſt leben, und des Lebens genießen, waͤhrend der Edelgeſinnte verrathen wird,— waͤhrend Schurken ohne Namen und ohne Geburt auf den Nacken der ahnenreichen Tapfern treten,— du koͤnnteſt dich des Lebens freuen, wie ein Fleiſcherhund an der Schlachtbank, waͤhrend rund umher die Tapfern geſchlachtet werden! Du ſollſt nicht leben, dieſe Freude zu theilen; du ſollſt ſterben, niedriger Hund, und zwar, ehe jene Wolke uͤber die Sonne hingezogen iſt.“
Drauf ertheilte ſie in gaͤliſcher Sprache Befehle an ihre Begleiter, von denen zwei den Flehenden, der noch immer auf den Knieen lag, ergriffen, und ihn fortrißen an den Rand der Klippe, die uͤber den See hinaus hieng. Er ſtieß die durchdringendſten Toͤne aus, welche je die Furcht auspreßte,— und wohl kann ich ſie grauenvoll nen⸗ nen, denn ſie ſtoͤrten noch lange nachher meinen Schlaf. Als ihn die Moͤrder oder Henker, wie man ſie nennen will, fortſchleppten, erkannte er mich, und die letzten deutlichen Worte, die ich von ihm hoͤrte, waren: o Herr Dsbaldiſtone, rettet mich! rettet mich!“
Ich war von dieſem ſchrecklichen Augenblick ſo ergrf⸗ fen, daß ich, obgleich ich jeden Augenblick erwarten mußte, ſein Schickſal zu theilen, doch verſuchte, zu ſeinen Gunſten zu ſprechen, meine Fuͤrbitte wurde aber, wie man leicht denken kann, mit finſterem Ernſte zuruͤckgewieſen. Das Opfer wurde von einigen feſtgehalten, waͤhrend andere einen ſchweren Stein in einen Plaid banden, das ſie ihm um den Hals knuͤpften, und ihn zugleich eines Theils ſei⸗ ner Kleider beraubten. Halb nackt ſtuͤrzten ſie ihn in den


