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ihren Befehl ſchleppte man den Armen herbei, der ſchon vor Schrecken halb todt war, und in deſſen von Todesangſt entſtellten Zuͤgen ich mit Entſetzen und Erſtaunen meinen alten Anklaͤger Morris erkannte.
Er fiel vor der Anführerin nieder, um ihre Knie zu umfaſſen, aber ſie wich zuruͤck, als wuͤrde ſie von ſeiner Beruͤhrung entweiht, ſo daß er zum Zeichen ſeiner tiefen Demuͤthigung nur den Saum ihres Plaids zu kuͤſſen ver⸗ mochte. Niemals hoͤrte ich mit ſolcher Seelenangſt um das Leben bitten. Seine Furcht war ſo heftig, daß ſie ſtatt ſeine Zunge zu laͤhmen, ihn beredt machte, und mit todt⸗ bleichen Wangen, mit krampfhaft gerungenen Haͤnden, mit Blicken, die ſich zum letztenmal auf irdiſche Dinge zu hef⸗ ten ſchienen, betheuerte er unter den ſchrecklichſten Schwuͤ⸗ ren ſeine voͤllige Unwiſſenheit an jedem Anſchlag auf Robin, den er wie ſeine eigene Seele liebe und achte.— In dem Widerſpruche, worein ihn ſeine Angſt verwickelte, ſetzte er hinzu, er ſey nur das Werkzeug anderer, und murmelte den Namen Raſhleigh.— Nur um ſein Leben bat er,— um ſein Leben wolle er alles geben, was er in der Welt
beſitze,— nur um ſein Leben, waͤre es auch unter verlaͤn⸗
gerten Qualen und Entbehrungen,— nur um den Athem, waͤre es auch in den Duͤnſten der tiefſten Berghoͤhle.“
Es iſt unmoͤglich, den Hohn, den Widerwillen und die Verachtung zu beſchreiben, womit Mac Gregor's Weib auf den Elenden herabſah, der nur um das armſelige Geſchenk des Daſeyns bettelte.
„Ich haͤtte Euch das Leben erhalten,“ ſagte ſie,„wenn das Leben fuͤr Euch die druͤckende Buͤrde waͤre, wie fuͤr mich,— wie fuͤr jedes edle, großherzige Gemuͤth.— Aber Du, Elender! du koͤnnteſt durch das Leben kriechen, un⸗


