127
dieſer vorgaͤngigen Aktion ließ Napoleon auf ſeine be⸗ liebte Weiſe das raͤchende Schickſal auftreten; er ſuchte das Publikum zu uberreden, oder glaubte es vielleicht ſelbſt, daß Saint Prieſt von einer Kugel aus derſel⸗ ben Kanone getroffen worden, welc« Moreau getoͤdtet hatte.
Waͤhrend des Angriffs auf Rheims kam Marmont mit ſo viel Leuten, als er nach ſeine Niederlage bei Athies wieder aufbringen konnte, an, und trug Vie⸗ les zu dem gluͤcklichen Erſolg des Angriffs bei. Er wurde deſſen ungeachtet von Napoleon mit bittern Vorwuͤrfen empfangen, die einem Anführer ſehr ſchmerz⸗ lich ſeyn mußten, uͤber deſſen Ehre und Talente waͤh⸗ rend ſeines langen Kriegslebens kein Zweiſel erhoben wurde. Napoleon blieb 3 Tage zu Rheims, um aus⸗ zuruhen und ſeine uͤbel zugerichtete Armee zu rekru⸗ tiren, die uͤberall verſtaͤrkt wurde, wo Leute aufzutrei⸗ ben waren. Ein hollaͤndiſcher Officier, mit Namen Janſaens, entwickelte einen hohen Grad von militaͤri⸗ ſchem Talent, indem er ein Korps von etwa 4000 Mann, das er aus den Garniſonen in den Feſtungen an der Moſel gezogen, der franzoͤſiſchen Armee in Rheims zufuͤhrte, eine aͤußerſt ſchwierige Aufgabe, wenn man bedenkt, daß er ſich durch einen großen Theil des von feindlichen Druppen beſetzten Landes durchſchlagen mußte.
Der Aufenthalt Napoleons in Rheims war da⸗ durch merkwuͤrdig, daß es der letzte Punkt war, von dem er mit ſeinen Miniſtern Staatsgeſchaͤfte ab⸗ machte. Bisher hatte ein Aſſeſſor beim Staatsrath den Bericht der Miniſter von Woche zu Woche in das kaiſerliche Hauptquartier uͤberbracht, und die Be⸗ fehle des Kaiſers eingeholt. Aus mancherlei Urſachen war dieſe regelmaͤßige Communication waͤhrend des uͤbrigen Feldzuges unmoͤglich geworden. Von Rheims


