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nicht der Fall iſt. Endlich werden durch den Froſt
oft Bruͤcken entbehrlich, Schluchten zugedeckt und
Moraͤſte gangbar gemacht, ſo daß die marſchirende Armee dadurch einigen Erſatz erhaͤlt, fuͤr das, was ſie durch die ſtrenge Temperatur zu leiden hate
Aber es entſteht zweitens die Frage, wenn Froſt und Schnee in Rußland ſo maͤchtig ſind, daß ſie gan⸗ zen Armeen den Untergang bereiten koͤnnen, warum hat ein ſo großer Feldherr dieſe Potenzen bei dem Ent⸗ wurfe ſeines unermeßlichen Beginnens nicht in Berech⸗ nung gezogen? Schneit es denn nie in Rußland, oder iſt Froſt im Monat November dort eine ſo ſeltene Erſchei⸗ nung? Man hat geſagt, die Kaͤlte haͤtte ſich fruͤher als gewoͤhnlich eingeſtellt. Dies iſt jedoch von Andern wi⸗ derſprochen worden; auf jeden Fall war es aber hoͤchſt unweiſe, die Exiſtenz einer Armee, und zwar einer ſo zahlreichen und ſo wichtigen Armee, einzig von dem Zufall abhaͤngig zu machen, daß der Froſt ei⸗ nige Tage fruͤher oder ſpäter eintrete. Die Wahrheit iſt, daß Napoleon, deſſen Urtheil
ſich ſelten und vielleicht nur durch die Innigkeit ſei⸗
ner Wuͤnſche beſtechen ließ, im Oktober den Eintritt
der Kaͤlte eben ſo vorgeſehen hat, wie er im Iuli die Nothwendigkeit erkannte, Anſtalten zu der Ver⸗ pflegung ſeiner Armee zu treffen, und daß demun⸗ geachtet in dem einen wie in dem andern Falle das Noͤthige von ihm verſaͤumt worden iſt. In dem
zweiundzwanzigſten Bulletin iſt ausdruͤcklich gezagt/
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