87 „ Es gibt keine mehr,“ ſagte Caulaincourt, zum Himmel blickend.
„Aber der Sieg an der Berezina— und die ſechstauſend Gefangene?“*)
„Wir ſind heruͤbergekommen, das iſt Alles— der Gefangenen waren wenige hundert Mann, die entwiſcht ſind. Wir hatten mehr zu thun, als ſie zu bewachen.“
Nach dieſen vorlaͤufigen Fragen eilte der Abbé nach dem Gaſthofe. Es ſtanden in dem Hofraume drei uͤbel zugerichtete Schlitten, einer fuͤr den Kaiſer und Caulaincourt, der zweite fuͤr zwei Offiziere von Rang, der dritte fuͤr den Mamelucken Ruſtan und einen andern Bedienten. Man fuͤhrte ihn, gewiſſer⸗ maßen auf eine geheimnißvolle Weiſe, in ein ſchlech⸗ tes Zimmer eines ſchlechten Gaſthofes, wo eine Magd mit gruͤnem Holze ein Feuer aufzumachen bemuͤht war. Hier befand ſich der Kaiſer, den Abbé de Pradt zum letzten Mal zu Dresden unter den verſammel⸗ ten Fuͤrſten als den Koͤnig der Koͤnige geſehen hatte.
Er war in einen gruͤnen, mit Schnuͤren verzierten
und mit Pelz ausgeſchlagenen Ueberrock gekleidet,
und ſuchte ſich durch raſches Auf⸗ und Abgehen die
Waͤrme zu verſchaffen, die das Kamin nicht gab. Er
ggruͤßte den„Herrn Botſchafter“, wie er ihn nannte,
*) Dies bezieht ſich auf den übertriebenen Bericht des Herzogs von Vaſſano über den Sieg Napoleons bei Studzianka.


