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man nun auch das franzoͤſiſche Verfahren in Krimi⸗ nalſachen ins Auge, ſo iſt ſolches noch mehr geeig⸗ net, die Begriffe, die ein engliſcher Rechtsgelehrter von der Art der Beweisfuͤhrung hat, in Verwirrung zu bringen. Es iſt bekannt, daß durch unſere Geſetze alles verboten iſt, wodurch ein Beklagter dahin ge⸗ bracht werden koͤnnte, Zeugniß gegen ſich ſelbſt abzu⸗ legen. Das Geſez ſympathiſirt in einem ſolchen Falle mit der menſchlichen Schwaͤche; es kennt gleiĩchſam den Eindruck, den eine gerichtliche Unterſuchung auf einen ſchuͤchternen und unwiſſenden Menſchen machen muß, und ſtellt darum an eine verdaͤchtige Perſon nur ſolche Fragen, die dieſe, in der Hoffnung, ſich zu rechtfertigen und wieder auf freien Fuß geſtellt zu werden, gerne beantworten mag.
In Frankreich ſind dagegen die Fragen die Haupt⸗ ſache. Der Beklagte muß nicht nur die Umſtaͤnde, auf die er ſeine Vertheidigung gruͤndet, genau angeben, er wird noch uͤberdies den Zeugen gegenuͤbergeſtellt und aufgefordert, ſeine Ausſagen mit denjenigen der Zeu⸗ gen in Uebereinſtimmung zu bringen. Hinſichtlich der Zeugniſſe iſt das Verfahren nicht minder willkuͤhrlich. Man ſcheint nicht zu unterſcheiden, zwiſchen dem blo⸗ ßen Hoͤrenſagen und einer unmittelbaren Ausſage, zwiſchen einem freiwilligen und einem durch verfaͤng⸗ liche Fragen entlokten Geſtaͤndniſſe. All dieſes wider⸗ ſpricht unſern Begriffen von der gegen den Beklagten zu beobachtenden Gerechtigkeit. Die Folter wird krei⸗
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