Teil eines Werkes 
20. bis 24. Bändchen (1857)
Entstehung
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und Macht keinem Zweifel unterworfen ſind. Der einzelne Mann kann auch weit mehr verzeihen, als der Staat, weil der Menſch doch Gottes Ebenbild iſt, der Staat aber nur das Ebenbild des Menſchen. Je unvollkommener eine Sache oder ein Weſen ſind, um ſo ſtrenger und nachdrücklicher müſſen ſie geſchützt werden. Stehen Sie auf, Frau Gräfin, und tragen Sie Ihren Schmerz mit Muth. Ihr Mann hat ſich nicht gegen uns verfehlt, ſondern gegen den Staat; deßhalb haben auch nicht wir ihn verurtheilt, ſon⸗ dern der Staat. Sein Urtheil können wir nicht ab⸗ ändern.“

Die Gräfin umſchlang Ferſens Kniee; ſie kroch vom Einen zum Andern und umfaßte die Kniee Aller.

„Mein Mann! mein Mann!“ klagte ſie.„Mein Mann! mein Mann!“

Die Königin wurde von einem bittern Gefühl be⸗ leidigten Stolzes ergriffen.

„Was können wir noch mehr thun?“ fragte ſie.

Ferſen legte die eine Hand auf ſeine Bruſt und mit der andern deutete er nach oben, als wollte er ſie auf Gott anweiſen.

Die Augen der Königin blitzten. Das war zu viel für den Stolz einer Königin, wie Luiſe Ulrike, bei welcher alle Fehler des Herzens von der Ueber⸗ fülle des Geiſtes und die Fehler des Geiſtes von der übermäßigen Wärme und Aüufrichtigkeit des Herzens herrührten, Herz und Geiſt aber ſo gänzlich vom Gefühl ihrer königlichen Geburt durchdrungen waren.

„Stehen Sie auf, Frau Gräfin,“ ſagte ſie jetzt

—O c(6-²—,——