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tigkeit des Staates; in der Gerechtigkeit muß er die Liebe ſeines Volkes, ſeine eigene Größe und Chre ſuchen. Nun kann aber das Geſetz, obſchon es nicht
bloß den moraliſchen und ſittlichen Standpunkt der
Zeit ausdrückt, ſondern auch die allgemeinen Rechts⸗ anſprüche beſonders bezeichnet, nicht in Allem voll⸗ kommen beſtimmend ſein; es iſt nämlich nicht die Gerechtigkeit ſelbſt, ſondern vielmehr ſo zu ſagen bloß ein Geländer derſelben. Die Intereſſen der Menſch⸗ heit haben in Folge der unendlichen Vielſeitigkeit des Menſchenherzens einen ſo großen Umfang, daß man nicht alle Verhältniſſe unter Regeln bringen, ſondern nur im Prinzip die allgemeine Regel ange⸗ ben kann. Deßhalb ſind auch die Staaten einer ewigen, unaufhörlichen Regelung unterworfen, und dennoch liegt die Gerechtigkeit zuletzt im moraliſchen Urtheil der Völker. Aber dieſes moraliſche Urtheil kann kein gegebenes und begrenztes Geſetz werden, ohne daß der Staat irgend ein Mitglied bevollmäch⸗ tigt im Namen Aller das entſcheidende Wort auszu⸗ ſprechen. Um daher in der höchſten Inſtanz gerecht zu ſein, muß man das reinſte moraliſche Gefühl be⸗ ſitzen; man muß in ſeiner Seele wahr, in ſeinem Herzen gut, in ſeiner Denkungsart vorurtheilsfrei ſein. Gar Manches, was nach dem geſchriebenen Geſetz gerecht iſt, kann vor dem höchſten, vor Gottes ewigem Richterſtuhl die größte Ungerechtigkeit ſein. Das iſt die menſchliche Unvollkommenheit in Allem; der Buchſtabe, der vor Gottes Thron um Vollkom⸗ menheit bettelt. Das Begnadigungsrecht des Mo⸗ narchen iſt daher die allgemeine Moral, die zu ſeiner freien und über Privatleidenſchaften erhabenen Stel⸗


