Teil eines Werkes 
20. bis 24. Bändchen (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

——

211

men, als daß er dem Vorhaben der Königin weiter nachgefragt hätte. Er ging.

Als der König ſich entfernt hatte, entſtand eine kurze Pauſe.

Prinz Guſtav hatte ſich neben ſeine Mutter ge⸗ ſetzt. Obſchon er die ganze Zeit mit einem breiten Seidenband geſpielt hatte, das von ihrer Schulter herabhing, ſo war er doch, wie wir bereits erwähnt haben, dem Geſpräch aufmerkſam gefolgt. Die Kö⸗ nigin ſtrich jetzt, als wollte ſie dadurch läſtige Ge⸗ danken verſcheuchen, wohlgefällig über die goldenen Locken des Jungen. Höppener liebte, wie alle den⸗ kenden und guten Menſchen thun, die Kinder, und ein angenehmes Gefühl überkam ihn, als er das friſche und offene Geſicht des Prinzen betrachtete. Dieſer aber ſpielte jetzt nicht mehr mit dem Seiden⸗ band; er hatte es losgelaſſen und ſtand jetzt ſinnend und nachdenklich da.

„Ich begreife Etwas nicht, Herr Höppener,“ ſagte er dann;„wollen Sie ſo gefällig ſein, mich darüber aufzuklären?“

Die Königin liebte ihren Sohn innig. Sie ſah mit freudigem Stolz auf ihn, aber er zeigte ſich auch ſo weit vor ſeinen Jahren voraus, daß jede Mutter eines ſolchen Sohnes daſſelbe Gefühl gehabt hätte. Auch jetzt hörte ſie Guſtavs Frage mit mütterlichem Intereſſe an, zumal da ſie mit echt kindlicher Be⸗ ſcheidenheit geſtellt wurde.

„Was iſt es, das Sie nicht begreifen, Prinz?“ fragte Höppener.