Teil eines Werkes 
20. bis 24. Bändchen (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

———

zem Herzen für dieſe troſtreichen Worte. Ach, Sie glauben nicht, wie ich ſeit der Nachricht von dieſen Todesurtheilen gelitten habe. Die Qualen der Tor⸗ tur können nicht entſetzlicher ſein, als meine Leiden. Nein, nein, man wird es nicht wagen, ſie zum Tode zu führen, wenn Ew. Majeſtät das Urtheil nicht unterzeichnen. Ich wollte Sie auch bitten, Ihre Unterſchrift zu verweigern; ich berief ſogar Höppener, damit er mit ſeiner juridiſchen Erfahrung meine Bitte unterſtützen möchte; aber, gelobt ſei Gott, Ew. Majeſtät ſind mir zuvorgekommen, Sie haben aus Ihrem eigenen Herzen die vortrefflichſten Eingebun⸗ gen geſchöpft. Ich danke Dir, mein Gott! Es liegt alſo darin doch eine Hoffnung; nicht wahr, Höppener?“

Höppener war nicht der Einzige, der jedem Wort der Königin mit lebhaftem Intereſſe folgte; auch der kleine Prinz Guſtav hörte aufmerkſam und mit leuch⸗ tenden Augen zu.

Als die Königin an Höppener appellirte, ver⸗ beugte ſich dieſer bloß.

„Ich bitte Ew. Majeſtät,“ ſagte er jedoch, als er ſah, wie ſehr ſeine ſtumme Geberde ſie erſchreckte, „mein Stillſchweigen nicht als eine beſtimmte Mei⸗ nungsverſchiedenheit zu deuten. Der Ausgang hängt bloß davon ab.

„Ach, Sie haben doch immer Einwendungen, Höppener,“ unterbrach ihn die Königin, die ſich in ihren Hoffnungen unangenehm geſtört fühlte.„Ich verſtehe nur zu gut, was Sie ſagen wollen, nämlich daß der Ausgang davon abhänge, ob Se. Majeſtät der König unerſchütterlich an ſeinem Entſchluß feſt⸗

Ridderſtad, Luiſe Ulriken's Hof. V.