Puke glaubte dieſe Bemerkung nicht beantwor⸗ ten zu müſſen, ſondern fuhr in ſeinem Gedanken⸗ gang fort:
„In unſerem beiderſeitigen Verhältniß, Mamſell, liegt etwas ſo gänzlich Unklares, daß ich nicht klug daraus werden kann.“
Amanda war auf einige ſcharfe Worte gefaßt, hielt aber auch eine Antwort bereit.
„Wir ſind,“ fuhr Puke fort,„vier bis fünf Mal mit einander zuſammengetroffen. Vom erſten Augen⸗ blick an fühlte ich mich zu Ihnen hingezogen; aber was mich einnahm, war nicht Ihre Jugend und Ihre Schönheit, ſondern vielmehr der ſchwermüthige Ausdruck in Ihrem Auge, die Kraft und das Feuer Ihres Charakters, die Entdeckung einer gewiſſen Sympathie zwiſchen uns Beiden, eine gewiſſe uner⸗ klärliche Gleichheit. Als man mir erzählte, daß Sie ein vater⸗ und mutterloſes Mädchen ſeien, zog mich dieſer Umſtand noch lebhafter zu Ihnen hin, zumal weil ich darin einen Erklärungsgrund für viele Un⸗ regelmäßigkeiten in Ihrem Weſen zu finden glaubte. Mein Herz ſchenkte Ihnen auch von dieſem Augen⸗ blick an ſeine ganze Achtung und Freundſchaft. Aber, mein Gott, auf welchem Weg mußte ich Sie nicht beinahe ſogleich finden! Aus dem, was wir ſehen, bilden wir uns ein Urtheil über Vieles, was wir
nicht ſehen. Ich hatte mir vorgeſtellt, daß Ihr In⸗ neres ebenſo ſanft und weiblich gut ſein müßte, wie ich entdeckt zu haben glaubte, daß Ihr Auge ſei. Die lilienreine Farbe der Stirne mußte, ſo glaubte ich, von einer Blume im Herzen herkommen. Der Glanz im Auge mußte nach meiner Meinung von


