dem Licht in der Seele ausſtrahlen. Aber täuſchte ich mich wohl oder nicht? Sie können unſre beiden unvermutheten Begegnungen im Schloſſe nicht ver⸗ geſſen haben. Ich will ſie hier nicht charakteriſiren. Amanda, Sie haben keine Eltern, keine Geſchwiſter, keine Angehörigen; Sie ſind von einem Manne er⸗ zogen worden, über den ich zwar nichts Böſes ſagen will, der aber gleichwohl ein kalter Egoiſt iſt. Ich denke mir, daß dieſer Egoismus Ihr von Natur gutes Herz ausgekühlt hat. Verſtehen Sie mich wohl, Amanda; Sie erinnern ſich an das Opfer Abels und Kains. Auf dem Altar des Erſteren ſtieg die Flamme rein und hell gen Himmel; auf dem des Letzteren ſank ſie in Rauch zur Erde hinab. Welche moraliſche oder religiöſe Bedeutung man auch hin⸗ einlegen mag, ſo kann man ſich doch dahin vereini⸗ gen, daß die Altäre die gleichen, die Brennmateria⸗ lien aber verſchieden waren. So iſt es auch mit unſern Herzen. Sie ſind von Natur gleich gut, und darum würde auch die Opferflamme des Lebens vom einen ebenſo hell brennen wie vom andern, wenn nur das Feuer mit gleich gutem Material, d. h. mit gleich guten Rathſchlägen und veredelnden Einge⸗ bungen, unterhalten würde. Das iſt jedoch ſelten der Fall. Hätten Sie, Amanda, ſtatt der Freund⸗ ſchaft des Barons Pechlin eine zärtliche und liebe⸗ volle Elternpflege genoſſen, ſo würden Sie gewiß auch in Ihrem Herzen den beſten Schutz gegen Al⸗ les gefunden haben, was Ihr Gefühl hätte verletzen können. Ich bin überzeugt, daß ich Sie dann nie⸗ mals in einer zweideutigen Stellung im Schloſſe gefunden hätte. Aber ſo, wie die Sache jetzt iſt, da
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