gefühls verlangte ſie mit dem Landesmarſchall zu ſprechen, aber dieſer entſchuldigte ſich mit Unpäßlich⸗ keit. Darauf ließ ſie den Generalmajor Kaulbars und den Ceremonienmeiſter Palmfeld, zwei Ausſchuß⸗ mitglieder, rufen, und als dieſe erſchienen, da kann man überzeugt ſein, daß ſie ihren Gedanken und
ihrer Zunge freien Lauf vergönnte. Gleichwohl muß
dieſe Beſprechung zu keinem Reſultat geführt haben, denn am folgenden Tage überſchickte die Königin dem Erſtgenannten ein augenſcheinlich in größter Haſt geſchriebenes Privatbillet folgenden Inhalts:
„Se. Majeſtät hat mir erzählt, daß er von dem geheimen Ausſchuß der Reichsſtände ein Schreiben empfangen habe, demzufolge derſelbe die in meinen Händen befindlichen Kronjuwelen beaugenſcheinigen laſſen wolle. Da ich mich einer ſolchen, offenbar in einem Mißtrauen der Reichsſtände begründeten Auf⸗ ſicht nicht unterwerfen kann, ſo habe ich zwei Mit⸗ gliedern des geheimen Ausſchuſſes meine Gedanken darüber zu erkennen geben wollen, und erkläre hier⸗ mit, daß ich die der Rentenkammer angehörigen Ju⸗ welen ausbrechen laſſen werde, um ſie von meinen eigenen abzuſondern und ſo den Reichsſtänden zu übergeben, denn ich halte mich von Stund an für zu gut, um ſie zu tragen.“
Dieſes Billet übergab Kaulbars dem Ausſchuß, deſſen Mitglied er war, und der geheime Ausſchuß, welcher ſich rückenfrei halten wollte, verlieh ihm den Charakter einer öffentlichen Mittheilung, indem er es den Ständen zuwies.
Da die Königin das Billet eigenhändig unter⸗. zeichnet hatte, ſo konnte man ſie auch direct angreifen


