„Ich will gegen Sie aufrichtig ſein, Mamſell; dieſer Gedanke iſt mir oft vor die Augen getreten, aber nichtsdeſtoweniger bin ich jetzt blos ein gemei⸗ ner Soldat. Sagen Sie mir deßhalb, ich bitte Sie, ich bitte Sie bei meiner Seligkeit, ſagen Sie, daß Sie mich getäuſcht haben. Mein Gott, ich könnte wieder ruhig werden, wenn Sie mir das ſagten. Nicht wahr, Sie haben mich getäuſcht?“
„Ich kann das nicht ſagen.“
Daniel richtete ſich empor. Er warf einen ſchreck⸗ lichen Blick um ſich.
„Amanda,“ ſagte er,„Sie ſind entweder ein En⸗ gel oder ein Teufel: aber in beiden Fällen ſtellen Sie mich auf den äußerſten Rand eines Himmels, von wo ich blos in einen Abgrund hinabſtürzen kann. Laſſen Sie uns jetzt dieſen Gegenſtand abbrechen. Das Herz kann das Himmelreich nicht auf einmal verdauen.“
Damit kehrte er ihr den Rücken und verſchwand im nächſten Gäßchen.
Amanda hatte auch nicht weiter zu kommen ver⸗ langt. Der Eine oder Andere könnte ihr Benehmen vielleicht aus einem Unwillen gegen Daniel erklären wollen und meinen, ſie habe, um ſich für ſeine Un⸗ gezogenheit mit den Poſten vor ihrer Thüre zu rä⸗ chen, einen Feuerbrand in ſeine Seele zu werfen ge⸗ ſucht. Aber weit entfernt. Sie hatte nicht das min⸗ deſte Intereſſe für Daniel; ſie wollte ſich in ihm blos ein Werkzeug ſchaffen, um Alma beikommen zu können. War ihr Plan auch noch nicht vollkommen reif, ſo hegte ſie doch die Ueberzeugung, daß ſie, wo⸗ fern es ihr gelang, Daniels Leidenſchaft ihren Ab⸗


