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nehmen, aber wenn ſie ihr Ohr hinhielt, hörte ſie blos das unheimliche Sauſen des Windes.
Immer und überall geneigt, etwas Wunderbares, Unerklärliches, irgend eine Offenbarung aus der an⸗ dern Welt anzunehmen, befand ſie ſich in einer be⸗ ſtändigen Seelenſpannung, in einer ſowohl pſychiſchen
als phyſiſchen Ueberreiztheit, die ihr keinen ruhigen
Augenblick mehr vergönnte.
Amanda hatte inzwiſchen ihre Frage nicht zu be⸗ antworten vermocht, und zwar aus dem einfachen Grund, weil ſie dieſelbe nicht gehört hatte.
Frau Schedvin richtete ſich auf.
Der Blick, den ſie auf Amanda warf, erſchien dieſer blos wie ein Irrlicht in der Nacht, wie ein Lichtſchein in einem Sumpfe.
Inzwiſchen ſchien ihr auf einmal Amanda's ganze Geſtalt ins Auge zu fallen, und ſtatt voranzuſchrei⸗ ten, was ſie offenbar beabſichtigt hatte, blieb ſie jetzt, von einem plötzlichen Schrecken übermannt, ſtehen.
Ihr Geſicht ſank ein, ihre Farbe wurde mumien⸗ haft. Langſam erhob ſie ihre Hände gegen die Stirne, wie wenn ſie ihre Sehkraft ſchärfen wollte.
Amanda bereute bereits ihren Beſuch und wünſchte ſich hundert Meilen weg.
„Ah Sie ſind's,“ begann die Alte,„ich erkenne Sie wieder... derſelbe ſchwarze Schleier... daſſelbe ſchwarze Kleid... dieſelbe Geſtalt... es ſind jetzt zwanzig Jahre... ich erinnere mich, ich erinnere mich... in dieſer Nacht... wurden Sie Mutter... Sie ſtarben...?“
Amandas Blut wurde zu Eis: ihr war, als hätte eine Leiche zu ihr geſprochen.


