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Der Himmel hatte ſich in dicke Wolken gehüllt, und der Schnee fiel in dichten, ſchweren Flocken herab, welche die Dunkelheit noch vermehrten. Kein Sturm jagte die Wolken, kein Lüftchen wehte. Es war ein ſolcher nordiſcher Abend, wo die ganze Welt in eine Wolkenſäule eingehüllt ſcheint, ein ſolcher Abend, wo beim praſſelnden Kaminfeuer ſicherlich unſere wun⸗ derſamſten Märchen gedichtet worden ſind.
Im Jahr 1755 hatte die Hauptſtadt ein anderes Anſehen als heutzutage. Sind auch ſeit dieſer Zeit manche Paläſte dem Erdboden gleich gemacht worden, ſo ſind dagegen andere und herrlichere erſtanden. Erſt mit den beiden Teſſin, Vater und Sohn, hat ein moderner und geſchmackvollerer Bauſtil in Schwe⸗ den und beſonders in der Hauptſtadt Wurzel gefaßt. Wir haben ſchon an einer früheren Stelle geſagt, daß die königliche Familie im Jahr 1753 im jetzigen Schloß eingezogen iſt, obſchon es noch nicht voll⸗ kommen ausgebaut war. Die herrliche Fagade des Palaſtes, der ſich ſo impoſant und majeſtätiſch über den Norrſtröm erhebt, deſſen ewig rollende Wogen ſeinen Fuß beſpülen, ſchmückte alſo ſchon damals die Reſidenz. Dagegen wurde der Markt noch nicht durch die Reiterſtatue Guſtav Adolphs II. verſchönt, die erſt 1796, am Todestag des Heldenkönigs, ent⸗ hüllt wurde und dem Platz ſeinen gegenwärtigen Namen gab.
Mitten im dichten Schneefall ſah man zwei Per⸗ ſonen die Friedensſtraße entlang kommen und auf den Markt der Nordvorſtadt zuſchreiten. In, der Dunkelheit konnte man ihre Kleider nicht ſehen, doch würde man davon auch am hellen Tage Nichts entdeckt


