337
König Friedrich, der Abgott aller Preußen, ein großer Staatsmann oder, was in unſern Tagen daſſelbe beſagt, ein großer Spitzbube iſt, zeigt ſich hier am allerdeutlichſten. Dieſer ganze Theil des Briefes iſt nämlich ſo gehalten, daß Ihre Königin glauben wird, er wolle ſie und ihre Pläne gerne unterſtützen, und doch denkt König Friedrich jetzt weniger als je daran. Die Sache iſt die: doch hievon mehr, wenn ich zu⸗ rückkomme. Seien Sie inzwiſchen überzeugt, daß ich Alles thue, um den mir gewordenen Auftrag würdig zu erfüllen. Wünſchen Sie, daß Puke lebendig in den Feſtungsgewölben von Spandau begraben werde, ſo brauchen Sie nur zu befehlen. Die Sache ließe ſich vielleicht machen.“
Alma wurde immer bläſſer, je weiter ſie in ihrer Lectüre kam, und endlich ließ ſie den Brief aus der Hand fallen.
Auch die Königin war verſtummt.
Das Schreiben hatte ganz und gar keine Unter⸗ ſchrift und ſchien aus einem längeren Brief ausge⸗ ſchnitten zu ſein.
Aber es war jetzt keine Zeit zu langen Betrach⸗ tungen; die Ereigniſſe ſollten ſich an dieſem Tage drängen. Noch ehe die Königin ihre Faſſung wie⸗ der gewonnen hatte, trat Silfverhjelm ein.
„Ew. Majeſtät,“ ſagte er,„ich bitte um Gnade, weil ich unangemeldet eintrete; aber es hat ſich ein gar zu eigenthümlicher Umſtand zugetragen.“
„Vermuthlich wieder etwas Unglückliches?“
„Glücklich oder unglücklich, ich weiß ſelbſt nicht, wie ich es nennen ſoll. Ew. Majeſtät erinnern ſich doch des anonymen Billets, das Wallenſtjerna im Ridderſtad, Luiſe Ulriten,s Hof. III. 22


