Teil eines Werkes 
9. bis 14. Bändchen (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

288

lichen, an dem es verſucht wird, allmählig in einen Schatten, in ein Geſpenſt, und dieſes Mittel heißt— Tortur.“

Die Königin war nahe daran, einen Angſtſchrei auszuſtoßen; aber Alma drückte warnend und zurück⸗ haltend ihre Hand.

„Wer iſt da innen?“ fragte die Königin;„ich erkenne dieſe Stimme nicht, ſie iſt kalt und grau⸗ ſam.“

„Hören Sie, Ew. Majeſtät, hören Sie.“

„Du weißt, wer die Leute ſind?“

„Ich kenne ſie nicht, nein, nein!“

„Ich muß wiſſen, wer es iſt.

„Beim Himmel, keinen Schritt, Ew. Majeſtät! Nein, Sie dürfen nicht hineingehen. Ich bitte Sie auf meinen Knieen. Ach, gehen Sie nicht... gehen Sie nicht.“

Unglücklicher Weiſe wußte Alma nur zu gut, wer drinnen war: Niemand anders als ihr eigener Onkel, ihr eigener Bruder und Amanda.

Bei Amanda hatten ſich, nach ihrem Beſuch bei Frau Schedvin, alle leidenſchaftlichen Elemente ihres Charakters und ihrer Gemüthsart ſehr raſch ausge⸗ bildet. Die Leere und Sehnſucht, welche ſie, in Folge des gänzlichen Mangels an Aufſchlüſſen über ihre Eltern, fortwährend gequält hatten, waren gleichwohl bis zu dieſem Augenblick mit einem Ge⸗ fühl des Behagens verbunden geweſen, das indeß den tiefſten Schmerz nicht ausſchloß. So lange ſie gar Nichts wußte, hatte ſie ſich ihre Mutter bald als einen Stern, bald als eine ſchwebende Wolke,

bald als einen Wind, bald als eine Blume gedacht;