Teil eines Werkes 
9. bis 14. Bändchen (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

nicht zu verſperren, als ſie ſich jetzt entfernte. Die Haltung der Dame hatte, ſo weit die Freunde in der Dunkelheit ihren Bewegungen fölgen konnten, eine Würde, die ihnen jede Ungezogenheit auf's Ent⸗ ſchiedenſte verwehrte. Ueberdieß wurde der Befehl mit ſolcher Sicherheit ertheilt, als ob ſie an einen Widerſpruch oder Ungehorſam gar nicht denken könnte.

Fragend und ſinnend ſahen ſie ihr blos nach, als ſie auf der Schloßtreppe verſchwand.

„Das iſt die Königin,“ meinte Hermelin,„ganz gewiß iſt es die Königin.“

„Ich glaube es nicht,“ erklärte Wallenſtjerna; „aber unzweifelhaft muß ſie zur nächſten Umgebung der Königin gehören. Jedenfalls müſſen wir mor⸗ gen alle unſere Freunde in Bewegung ſetzen. So wahr ich Leibtrabant bin, ſoll der Senat vor der königlichen Familie die Segel ſtreichen.“

Die Myſtifikation, womit das Auftreten der un⸗ bekannten Dame verbunden war, verlieh ihr in den Augen der beiden Krieger verſchiedene, beſtändig wechſelnde Proportionen und reizte die Neugierde unſerer Freunde im höchſten Grad.

Es war jetzt der vierte Abend, an dem ſie die Dame erwarteten; aber obwohl es ſchon ebenſo ſpät war wie an den vorhergehenden Tagen, lag doch nicht dieſelbe Dunkelheit über dem Platz, weil der Himmel klarer war, als ſeit langer Zeit. Wir haben bereits gehört, daß unſere Leibtrabanten ſie mit Un⸗ geduld erwarteten. Es war ihnen mit dem Tags zuvor empfangenen Auftrag, die beabſichtigte De⸗

*