„Vor einigen Tagen waren Ew. Majeſtät krank,
und man hat mir geſagt, daß Ew. Majeſtät Ge⸗ ſundheitszuſtand noch heute ſehr ſchwankend ſei,— und gleichwohl trugen Sie, wie auch jetzt in dieſem Augenblick, kein Bedenken, Ihre Geſundheit bloszu⸗ ſtellen, wenn es das Wohl des Staates galt.“
All die glänzenden Illuſionen wichen auf einmal von der Königin. Sie wechſelte die Farbe. Die Maske verlor ihr Colorit. Wie ſollte ſie ſich ſeine Worte erklären, wenn er nicht mehr wußte, als ſie irgend Jemand wiſſen zu laſſen wünſchte?
Wenn ſie ihn ſchon vorher gefürchtet hatte, um wie viel mehr fürchtete ſie ihn jetzt!
Die Anweſenden verdoppelten ihre Aufmerkſam⸗ keit. Man wußte nicht recht, von was Pechlin ſprach; aber es war bekannt, daß er über Alles, was vor⸗ ging, gewöhnlich beſſer unterrichtet war, als irgend ein Anderer.
„Es iſt ein glücklicher Gedanke, Ew. Majeſtät,“ fuhr Pechlin fort,„durch ein ſtreng beobachtetes In⸗ cognito Ihr Volk darüber in Unwiſſenheit zu laſſen, daß Sie ſich ſelbſt bei einem geſchwächten Geſund⸗ heitszuſtand keine Ruhe gönnen. Wie ſchön und un⸗ eigennützig handelten Sie nicht zum Beiſpiel in den
allerletzten Tagen? Zur ſelben Zeit, wo man Sie in Drottningholm krank glaubt, eilen Sie, ohne daß ein Menſch ſich's träumen läßt, in die Hauptſtadt, und warum? Einzig und allein aus Eifer für das theure Vaterland.“
Es fuhr der Königin eiskalt durch alle Glieder. Sie ſah ein, daß ſie verrathen war. Kein Wort kam über ihre Lippen.
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