11
und dort ſah man einen Leibtrabanten in Uniform unter dem Haufen ſich herumtreiben. Vor dem in⸗ neren Schloßgewölbe ſtand eine größere Abtheilung Reiterei, nebſt einem Horniſtenchor. In dieſem Augen⸗ blicke traten die Herolde aus dem Schloſſe und ſetz⸗ ten ſich auf ihre Pferde. Der erſte Herold ritt einige Schritte vor der Truppe voraus, worauf er mit lau⸗ ter und klarer Stimme die Reichstagsverkündigung verlas, die mit ſchallenden Tuſchen begrüßt wurde.
Während er las, beobachtete die Volksmaſſe ein tiefes Schweigen: man wollte, wie es ſchien, kein Wort verloren gehen laſſen.
In den Schloßzimmern drängte man ſich, um von den Fenſtern aus das ganze großartige Gemälde zu überſchauen. Es lag etwas Imponirendes in dieſem aufmerkſamen Stillſchweigen des Volkes.
Aber es ſollte nicht lange ſo bleiben. Sobald die Tuſche zu erſchallen anfingen, ſchien auch das Volk daran Antheil nehmen zu wollen.
„Es leben die Reichsräthe!“ erhob ſich eine kräf⸗ tige Stimme,„es leben die Reichsräthe!“
Von verſchiedenen Seiten her ſtimmte ein Dutzend Stimmen mit ein.
Die in den Schloßfenſtern ſtehenden Höflinge ſahen einander verdrießlich an.
Aber auf einmal wurde dieſes Lebehoch durch ein anderes, noch kräftigeres unterbrochen.
„Es lebe der König und die Königin!“
Die Reichsräthe, die ſich nachgerade in einer Fenſterniſche verſammelt hatten, konnten ſich jetzt ihrerſeits eines unbehaglichen Eindrucks nicht erwehren.
Die königliche Familie und der Reichsrath waren


