Teil eines Werkes 
9. bis 14. Bändchen (1856)
Entstehung
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man doch unſchwer den Charakter herausfordernden Trotzes bemerken, der darunter hervorſtach.

Im politiſchen Parteikrieg findet ſich, man möchte beinahe ſagen, ſchon in der Atmoſphäre Etwas, was die Eingeweihten Erfolg oder Niederlage vorherſehen läßt.

Seit Brahe auf den Vorſchlag der Königin, gegen Ferſen als Landesmarſchallamtskandidat aufzutreten, eingegangen war, hatte er kein Mittel unverſucht ge⸗ laſſen, um ſeinen Zweck zu erreichen. Eifrig vom Hof und allen ſeinen Anhängern unterſtützt, gewann er mit erſtaunlicher Schnelligkeit immer mehr Ter⸗ rain. Höppener war dabei nicht der Unthätigſte geweſen; er hatte, wie Starkodder, mit drei Paar Armen gekämpft.

Die Machtinhaber ihrerſeits hatten, im Vertrauen auf die Solidität ihrer Macht, alle Vorſichtsmaßre⸗ geln vernachläßigt.

Es war das erſte Mal, daß die eigentlichen Ko⸗ ryphäen der Parteien jetzt von Angeſicht zu Angeſicht einander gegenüber ſtanden.

Brahe's Stirne ſtrahlte von Befriedigung und Siegesfreude: die numeriſche Uebermacht ſchien auf ſeiner Seite zu ſein. Ferſen's Stirne dagegen ver⸗ düſterte ſich, und ein Gefühl des Verdruſſes ergriff ihn, da er ſich nicht mehr ſo ſtark fühlte, wie er er⸗ wartet hatte.

Nicht ohne Unruhe ſchaute er ſich im Kreiſe um.

Einige von den Reichsräthen ſchloſſen ſich ihm an: ſie begriffen ſeine Gefühle, ſie theilten dieſelben vollkommen. Von einem gemeinſamen Inſtinkt ge⸗ leitet, zogen ſie ſich in eine Fenſterniſche zurück.