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vorzuwerfen. Sie haben das Vaterland verlaſſen wollen, ohne auch nur Ihre Freunde davon in Kenntniß zu ſetzen. Haben Sie Ihr Verſprechen, mir Ihr Leben widmen zu wollen, ſchon wieder vergeſſen?“
Puke, der ſeinen wahren Grund, nämlich daß er nicht in einem Land bleiben wollte, wo ihm ſogar aus dem Grab ſeines ſonſt ſo zärtlich geliebten Vaters Schande entgegenſcholl und dadurch auch jede Ausſicht für die Zukunft vernichtet war, nicht angeben konnte, entſchuldigte ſich mit der unange⸗ nehmen Stellung, in welche er durch das verach⸗ tungsvolle Benehmen des alten Ehrenpreutz und end⸗ lich durch das Duell mit ſeinen beiden Jugendfreun⸗ den gerathen ſei.
„Sie haben Recht,“ antwortete die Königin,„ich mißbillige Ihre Gefühle nicht, aber Sie dürfen des⸗ halb Ihre Freunde nicht verlaſſen, ſondern müſſen ſich im Gegentheil um ſo feſter an ſie ſchließen. Capitän,“ fügte ſie dann hinzu,„es trifft ſich ſo, daß meine Freunde auch die Ihrigen, und Ihre Feinde auch die meinigen ſind. Sie müſſen alſo einſehen, daß Sie aus ganz zwingenden Gründen mir angehören. Ich habe auch für Sie gedacht, Capitän, und jetzt ſollen Sie für mich handeln. Beſorgen Sie mir nur Eines: wiſſen Ihre Gegner, daß Sie beſchloſſen haben, das Vaterland zu ver⸗ laſſen?“
„Ich hatte keine Urſache, einen Hehl daraus zu machen.“
„Um ſo beſſer. Dann mögen dieſe Herrn bei ihrer Meinung bleiben, und um Ihnen gar keine Ridderſtad, Luiſe Ulriken's Hof. II. 14


