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Keine Muskel bewegte ſich in Puke's Geſicht: die blaſſen, ruhigen Züge ſchienen beinahe von Mar⸗ mor zu ſein.
„Vom Kriegsſchauplatz,“ fuhr Wrangel fort,„von dem Sie jetzt nach Hauſe gekommen ſind, iſt der Ruf Ihrer Tapferkeit und Charakterfeſtigkeit auch zu uns gedrungen. Ihr neueſtes Auftreten in Drott⸗ ningholm, die Art, wie Sie der Königin Ihre Hul⸗ digung darbrachten und ſich gegen Chrenpreutz, Röhr und Creutz ſtellten, war hier in der Hauptſtadt be⸗ kannt, ehe Sie noch zurückkamen. Sie haben die Aufmerkſamkeit auf ſich gezogen, und es ſollte mich nicht wundern, wenn man Sie zu gewinnen ſuchte.“
Puke ſchüttelte blos den Kopf: er ſchien Wran⸗ gels Vermuthung, nicht einmal recht zu verſtehen.
„Pechlin,“ fuhr Wrangel fort,„iſt ein ſehr viel⸗ ſeitiger Charakter. Man hat große Mühe, ſeine wahre Seite aufzudecken: glaubt man einmal dies erreicht zu haben, ſo findet man bald eine neue Seite, die beweist, daß man ſich getäuſcht hat. Trotz ſeines glänzenden Verſtandes und ſeiner wahren Ge⸗ nialität wirkt er immer weniger aufklärend als ver⸗ wirrend. Bei ihm kann man, wie beim Prisma, keine Farbe feſthalten, ehe man auch ſchon wieder von einer andern beſtrahlt wird. Obſchon er bis jetzt noch keine ſonderlich hervorragende Stellung einnimmt, ſo übt er doch einen Einfluß aus, den man mehr ſpürt als erkennt. In ſeiner ganzen Hal⸗ tung liegt etwas Räthſelhaftes, was den Kampf mit ihm beinahe unmöglich macht. Ein Freund hat nie an ſeiner Seite geſtanden und wird auch nie da ſtehen: Alle um ihn her ſind blos politiſche Mario⸗
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