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heit. Mit ihr werden die Völker Alles wieder ge⸗ winnen, was ſie verloren haben, und zwar verherr⸗ licht und veredelt von dem Kampf ſelbſt, worin ſo lange Zeit ihre Rechte niedergetreten und ihr Werth unterſchätzt worden.
Fordert alſo vor allen Dingen Preßfreiheit, die Bedingung aller Freiheit, Wahrheit und Gerechtig⸗ keit. Ohne ſie beſitzt unſer Geiſt nicht das Recht, ſich in der Welt umzuſehen und zu überdenken, was er ſieht; ohne ſie beſitzt unſer Geiſt nicht das Recht zu Bitterkeit oder Freude, nicht das Recht, ſich von der Macht wahren Gefühls hinreißen zu laſſen. Erſt durch die Preßfreiheit erhält der Einzelne das Recht, das Viſir vor ſeinem innern Leben aufzuſchlagen, mit unverhülltem Geſicht vor die Geſellſchaft zu treten und offen für ſeinen Glauben zu kämpfen*).
Die Preßfreiheit iſt das helle Tageslicht des po⸗ litiſchen und moraliſchen Lebens. Ohne Preßfreiheit iſt es noch Nacht darinnen. Während der Nacht ſchleicht das Verbrechen heran, aber mit Tagesanbruch zieht es ſich gleich Nebeln in ſeine Neſter zurück, als ſchämte es ſich, der Sonne Gottes in's Auge zu ſchauen. Nur die Preßfreiheit vermag die Strah⸗ len der Gedanken einer ganzen Nation in ihrem Brennſpiegel zu ſammeln, um ihrerſeits mit ver⸗ einigter Gluth jeden Bund von Ungerechtigkeit und Unterdrückung zu Staub zu verbrennen. Nur durch
*) Vor 1766 war geſetzlich keine Preßfreiheit geſtattet. In der Verfaſſung von 1719— 1720 wurde ſie gänzlich vergeſſen.


