Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1856)
Entstehung
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wort des Adels wurde auch der Samen, woraus die Feindſchaft zwiſchen dem Adel und dem Stand der freien Grundbeſitzer ſich entwickeln ſollte, um zuletzt eine Frucht von der bittern Art des Zank⸗ apfels zu tragen.

Den ariſtokratiſchen Elementen iſt es inzwiſchen bis jetzt gelungen, die Rechtsforderungen der bürger⸗ lichen Stände zu unterdrücken.

Aus den Aktenſtücken, die ich angeführt habe, kann Jedermann erſehen, was Ritterſchaft und Adel unterFreiheit des Reichs und allgemeiner Wohl⸗ fahrt verſtehen; man kann daraus auch erſehen, daß ſie Jeden, der ſeine Stimme gegen ihre Intereſſen erhebt, alsoffenbaren Reichsfeind, Friedensſtörer und Eidbrecher betrachten.

Dieſe Art, die Staatsverfaſſung zu deuten, geht von Stund an auch durch alle Reichsverhandlungen.

Der Ausdruckſouveräne Stände hat nichts Anderes bedeutet, alsder ſouveräne Adel. In die wichtigſten Reichstagsausſchüſſe wählte der Adel allein ebenſo viele Mitglieder, wie die andern Stände zuſammen. Erklärte man nicht bei einer wichtigen Frage geradezu, die Bauern hätten Nichts damit zu ſchaffen, der Bauernſtand dürfe in politiſchen und ökonomiſchen Angelegenheiten keine Stimme haben? Hat man ihn nicht, zuerſt von allen Ausſchüſſen ohne Ausnahme, ſpäter wenigſtens vom eigentlichen Sitz der Regierungsgewalt, dem geheimen Ausſchuß, ausgeſchloſſen? Wer unter uns kann vergeſſen, wie der Bauernſtand im Jahr 1734, als der Reichstag ſich ſchon ſeinem Ende zuneigte, eine Deputation an den geheimen Ausſchuß abſandte, mit der Bitte um