35
zeichnung und Chre in Holland focht. Sie wiſſen, daß er ſich bei allen Kämpfen, wo es heiß zuging, tapfer betheiligte. Der Himmel iſt mein Zeuge, daß ich oft den Wunſch hegte, an ſeiner Seite zu ſtehen, ſeine Gefahren zu theilen, ihm vorzuſchweben, wo der Kampf am heftigſten war; aber Furcht kannte ich nie. Wiſſen Sie, was ich ſtatt deſſen that, Gräfin?“
„Nein.“
„Ich betete für ihn, ich ſchickte brennende Ge⸗ bete zu Gott empor.“
Die Gräfin Brahe drückte ihrer Freundin die Hand.
„Sie können Recht haben,“ ſagte ſie;„ich glaube, daß ich's auf dieſelbe Art aufnehmen würde, wenn Brahe an der Spitze einer Armee gegen die Feinde des Reichs ſtritte; bei einem ſolchen Kampf iſt doch ehrliches Spiel, und am Ende iſt es der Finger der Vorſehung, der den Gang leitet: verliert man, ſo iſt es ein großer Kummer für das ganze Vaterland; ſiegt man aber, ſo iſt es ein großer Jubel. Aber was kommt denn bei dieſen politiſchen Streitigkeiten heraus? Hört man von etwas Anderem reden, als von Intriguen und Kabalen? wie der Eine den An⸗ dern an Verrätherei und Liſt überbietet, wie Selbſt⸗ ſtändigkeit und Redlichkeit durch Beſtechungen aller Art untergraben werden? Was hat die Vorſehung bei einem ſolchen Kampf zu beſtellen? Wenn je ein übernatürlicher Finger ihn leitet, ſo iſt es nicht der Finger des Himmels. Dies iſt ja kein Kampf gegen die Feinde des Reichs, ſondern gegen die eigenen Landsleute.“


