Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1856)
Entstehung
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zu begreifen. Der am Baum Hängende war hinauf⸗

geklettert, der Zweig war gebrochen, aber im Fallen hatte der Wildfang glücklicher Weiſe einen andern Zweig erfaſſen können. Inzwiſchen kam das Noth⸗ geſchrei nicht von dem bedrohten Jungen; er ſchien vielmehr zu lachen über die Angſt, die ſeine Lage den andern einjagte.

Daniel nahm ſich nicht Zeit, die Knaben lange anzuſchauen, aber das entging ihm nicht, daß der eine von ihnen, der um Hilfe rief, ganz ſchwarz war: es war ein Negerjunge.

Mit einem raſchen Sprung war Daniel bald auf dem Baum, und nun begab er ſich vorſichtig auf einen Aſt hinauf, von wo es ihm gelang, den in der Luft zappelnden Jungen an ſich zu ziehen. Mit einem Sprung ſtand er bald wieder auf dem Boden, den Geretteten in ſeinen Armen haltend. Che er ihn abſtellte, ſchaute er ihm in's Auge: es war voll von Sonnenlicht, von ſtrahlender Dankbarkeit. Da⸗ niel fühlte ſich überglücklich, ihm geholfen zu haben.

Kaum hatte er den Jungen abgeſtellt, ſo hörte er Tritte in ſeiner Nähe. Als er ſich umwandte, begegneten ſeine Blicke denen einer Frau von ſo majeſtätiſcher Schönheit, daß er unwillkührlich ehr⸗ furchtsvoll ſeine Mütze abnahm. Geiſt und Seele ſtrahlten aus ihren Augen, Stolz und Muth lager⸗ ten auf ihrer Stirne. Daniel trat einen Schritt zurück.

Du biſt ein flinker Jüngling, redete ſie ihn endlich an.Wie heißeſt Du, mein Freund?

Die Stimme war ſo freundlich, daß Daniel ganz muthig wurde.

Ridderſtad, Luiſe ulriken's Hof. I. 2