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Schloßtreppe geheftet. Seine Seele ſchien in jedem Blicke dorthin zu fliegen.
„Bleib' hier,“ ſagte er endlich,„ich komme ſo⸗ gleich zurück.“
Clara ſtarrte ihm verwundert nach.
„Ganz bei Troſt iſt er doch nicht,“ murmelte ſie vor ſich hin.„Aber warum ſoll man denn halb verrückt ſein, wenn man liebt? Wenn ich mich je verliebe,“ vollendete ſie ihren Gedankengang,„ſo werde ich ſehr verſtändig zu Werke gehen, ſehr klug, ſehr nüchtern und vernünftig.“
Welch' ein Thema mit tauſend Variationen für ein junges Mädchen!
Es war das erſte Mal, daß Daniel ſeinen Ge⸗ danken Luft geſchafft, das erſte Mal, daß ſein Herz ſeine Bekümmerniſſe ausgehaucht, das erſte Mal, daß ſeine Seele die ſchwere Kette des Schweigens ge⸗ brochen hatte. Dies war ein Glück, das er noch nie empfunden.
Er hatte auf der Schloßtreppe wieder dieſelbe Dame entdeckt, die er kaum zuvor da geſehen hatte, und ob er ſich nun täuſchte oder nicht, er glaubte einmal, ſie..
Der Gedanke, den langen Weg nach der Haupt⸗ ſtadt zurückkehren zu müſſen, ohne ſie geſehen zu haben, hatte ſeit mehreren Stunden ſeine Verzweif⸗ lung ausgemacht.
Koſte es was es wolle, er nahm ſich vor, ſie jetzt nicht mehr aus dem Auge zu laſſen.
Raſchen Schritts eilte er in den Schloßhof hinein und auf die Treppe zu.


