Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1856)
Entstehung
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hatte er ſich jedoch weniger als je zu beherrſchen

vermocht. Sie hatte entdeckt, daß er liebte. Aber wen? Sie wußte es nicht, aber ſie freute ſich ſchalkhaft über ihre Entdeckung.

Daniel, der ihr Alles anvertraut zu haben glaubte, wurde von ihrer ungekünſtelten und kindlichen Be⸗ merkung überraſcht.

Iſt's möglich, wiederholte er ihre Frage bei ſich,liebſt Du?

Die Frage war wie ein Ton von einer Seraphs⸗ harfe gekommen.

Lange hatte kein Wort ſo lieblich durch ſeine Seele geklungen, kein ſo milder Hauch ſein Herz berührt.

Ach ja, Schweſter, antwortete er alſo,ich liebe, zu meinem Entſetzen und zu meiner Verzweif⸗ lung. Es iſt Wahnſinn ich weiß es in mei⸗ ner Stellung mich einer Neigung hinzugeben, die mich, ſogar in meinen eigenen Augen, zum Narren macht. Sie ein Engel... 3

Ein Strahl der lebhafteſten Freude ſpielte wieder in Clara's Geſicht.

LEin Engel gut, Brüderchen, ganz gut! Wenn ein Mann ein Mädchen zu lieben wagt, ſo muß ſie immer in ſeinen Augen der allerholdeſte Engel wer⸗ den. Sonſt wäre eine ſolche Liebe nicht viel werth. Nun weiter?

Ein...

Nun wohl, ein...

Aber Daniel antwortete nicht... er hörte ſie nicht einmal mehr... er hatte das ganze Geſpräch vergeſſen. Seine Aufmerkſamkeit war wieder auf die