Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1856)
Entstehung
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ſie ſei und was ſie thue; aber dies war bereits weit mehr, als ſeine Stellung in der Geſellſchaft geſtat⸗ tete. Darum wurde ſein Herz von Qualen zerfleiſcht, die Tag und Nacht nicht abließen. Früher ruhig und zufrieden mit ſeiner Stellung, empörte er ſich jetzt wider dieſelbe. Warum war ihm Reichthum, Geburt und Rang verſagt? Warum wurden redliche Geſinnung und ein warmes Herz nicht genügend er⸗ funden? Er war ein junger Thor, dürfte Mancher ſagen; allerdings, weil er zu den Unglücklichen ge⸗ hörte, denen die Natur einen andern Poſten anweist als die Geſellſchaft. Dieſen Leuten iſt ihr Loos vorgezeichnet: ſie müſſen ſich durch's ganze Leben durchkämpfen, um im beſten Fall über ſich ſelbſt zu ſiegen und tief in die Entwicklung der Geſellſchaften einzugreifen, oder ſich in ſich ſelbſt zu verzehren und von der Geſellſchaft zermalmt zu werden.

Nur in einer einzigen Beziehung hatte er bis jetzt ſeine Stellung begriffen. Er ſah nämlich deut⸗ lich ein, daß er ſich nur Hohn oder Mitleid zuziehen würde, wenn er irgend Jemand enthüllte, was in ſeinem Innern vorging. Mit einer in ſeinen Jah⸗ ren ſeltenen Feſtigkeit verſchloß er ſich alſo in ſich ſelbſt.

Nur ſeine Schweſter, die einzige freundliche und koſende Geſpielin ſeiner Gefühle, ließ er manchmal von Ferne einen Blick in ſein Myſterium werfen.

Aber nichtsdeſtoweniger trug er auch bei ihr Scheu, ſich gänzlich zu entſchleiern, weil er ſie zu ſehr liebte, als daß er ihren noch ſo kindlichen Frie⸗ den hätte ſtören mögen.

Während des ſo eben mitgetheilten Geſpräches