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Eine der königlichen Schaluppen, mit reichen Gold⸗ zierrathen geſchmückt, hatte ſo eben am Quai ange⸗ legt. Um die Ruder, die von rüſtigen jungen Leuten in blauen und gelben Aufzügen, mit dem Reichs⸗ wappen auf ihren Glanzlederhüten, gehandhabt wur⸗ den, perlte das Waſſer wie Diamanten ſchimmernd im Sonnenſtrahl. Die da und dort auf dem Schloß⸗ hof zerſtreuten Gruppen gingen nach dem angekom⸗ menen Fahrzeug zu.
„Wenn Du mich nicht begleiten willſt,“ bemerkte Clara,„ſo gehe ich beſtimmt von Dir weg.“
Haſtig griff Daniel ihr mit der einen Hand wie⸗ der in den Arm, und mit der andern deutete er nach der großen Schloßtreppe.
„Siehſt Du da?“
„Barmherziger Gott, wie närriſch Du biſt! Du erſchreckſt mich zu Tode.“
„Sie geht die Schloßtreppe hinan.“
Clara war beinahe böſe.
„Wer iſt denn dieſe ſie, von der Du ſo beſtän⸗ dig ſprichſt?“ fragte das Mädchen verdrießlich.
„Wer ſie iſt?“ wiederholte Daniel.„Das iſt ſie,“ fügte er dann ganz kurz hinzu.
So räthſelhaft die Antwort lautete, ſo öffnete doch Clara ihre Augen weit. Sie waren nie ſchöner und größer geweſen, als eben jetzt.
„Ach Bruder,“ lachte ſie,„jetzt fange ich an, Dich zu verſtehen.“
„Mich zu verſtehen?“
„Ich habe einmal geleſen, daß alle Verliebten etwas närriſch ſeien.“
Daniel ſenkte ſeinen Kopf.


