Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1856)
Entstehung
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Du biſt ein wahrer Barbar. Soll ich jetzt obendrein auch noch ſchweigen? Das iſt unerträg⸗ lich. Aber ich ſchweige durchaus nicht... nein, das thue ich nicht. Warum ſollte ich nicht reden dürfen?

Ein Ausruf war Daniels einzige Antwort.

Ah, ſiehſt Du, da oben hat ſich Etwas im Fen⸗ ſter gezeigt... ſiehſt Du...

Du biſt verrückt, Daniel. Wäre ich nicht nahe daran, vor Verdruß zu weinen, ſo würde ich Dich wahrlich auslachen.

Daniel wandte ſich gegen ſeine Schweſter.

Weinen.. ſagteſt Du... lachen...

Nun, ſo faß mich doch nicht ſo feſt am Arm; meine Arme ſind keine Zaunſtücke. Du begreifſt Hoch...

Ich begreife, Clara, ich begreife ſehr gut...

Das iſt mehr als ich hoffte; mir kommſt Du ganz unbegreiflich vor.

Clara war ein hübſches Kind von ſiebzehn Jah⸗ ren; aber mit ſiebzehn Jahren iſt ein Mädchen kein Kind mehr. Sie weiß da bereits, daß es Liebe in der Welt gibt, und ſie iſt im höchſten Grad neugie⸗ rig zu erfahren, wie das Ding ausſieht.

Ihr Bruder Daniel war ungefähr neunzehn Jahre alt und hatte ein vollkommen ausgebildetes Geſicht. Um ſchön zu ſein, waren ſeine Züge zu markirt, und überdies war er gar zu mager. Nichtsdeſtoweniger lag etwas Ungewöhnliches und Eigenthümliches in ſeiner ganzen Erſcheinung. Der Ausdruck war voll Kraft und Kühnheit, aber mit etwas Wirrem, um nicht zu ſagen Wildem, gepaart. Er war groß von