Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1856)
Entstehung
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herbei, der Boden hatte ſich noch nicht mit einem Perlband von Eis bekleidet.

Die Jahreszeit hatte den grünen Schmuck der Parke und Haine gebleicht; die gelben Blätter fielen, ſterbende Erinnerungen an einen entſchwundenen Sommer, ſeufzend hinab in ihre Vergänglichkeit. Die Natur ſchien von einem tiefen Gefühl der Er⸗ gebung ergriffen zu ſein. Die Sonne lächelte zwi⸗ ſchen leichten Wolken hervor; aber es war beinahe ein Lächeln durch eine helle Thräne.

Wollen wir nicht weiter gehen, lieber Daniel? Hier iſt es ja höchſt langweilig.

Kein Zug bewegte ſich im Geſichte des Angerede⸗ ten. Er ſchaute unverwandten Blicks auf einen Gegenſtand gerade vor ihm und ſchien kein Wort gehört zu haben.

Da vorn auf dem Schloßhof wimmelt es von hübſchen Uniformen, von Höflingen und Soldaten, fuhr die erſte redende Perſon murrend fort,und wir ſitzen da, als wären wir der ganzen⸗Welt über⸗ drüſſig. Als Du mich heute früh hieher verlockteſt, da verſpracheſt Du mir einen recht luſtigen Tag, und nun iſt's etwas Schönes geworden. Kann es Dir Kurzweil machen, beſtändig auf einem Fleck zu ſitzen und unaufhörlich nach einem einzigen Ort zu ſchauen? Wenn ich nur wenigſtens wüßte, was Du ſo anſiehſt! Komm, Daniel, laß uns hinabgehen. Siehſt Du das Boot nicht, das ſo eben da unten an der Brücke angelegt hat? Ach wie zierlich, wie zierlich! Gewiß will der König ſelbſt hinaus und ein wenig herumſegeln. Komm jetzt mit, komm! Still, Schweſter, ſtill!