jedoch hier eine Weile ein. Gourville hatte nicht das Herz, ſie zu unterbrechen.
„Ich habe gleichwohl Unrecht,“ fuhr ſie fort, wenn ich ſage, daß ich nicht wiſſe, wie es ſein ſolle.“
Ihre Augen ſtrahlten mit verklärtem Glanz durch die Maske; Gourville hätte Luſt gehabt, ſie ihr vom Geſicht zu reißen, um daſſelbe in ſeiner ganzen Inſpi⸗ ration betrachten zu dürfen.
„Unterbrechen Sie ſich nicht,“ bat er inzwiſchen. „Es gibt zwei Mittel, dieſes für unſer Geſchlecht ſo wichtige Problem zu löſen.“
„Welche? Laſſen Sie hören.“
„Das eine beſteht darin, daß die öffentliche Moral den Mann mit derſelben Härte verurtheilt, wie das Weib, daß ſie ihm die allgemeine Achtung entzieht, ihn mit dem Abſchen der Familien, mit der bürgerlichen Verachtung beſtraft, ihn jedes Genuſſes von öffentlicher Ehre unwürdig macht, bis er durch die Ehe ſein Ver⸗ brechen geſühnt hat. Sie würden dann bald erfahren, daß, wenn der Mann aufhörte zu betrügen, dann auch das Weib aufhören würde zu fallen.“
„Und das andere Mittel?“
„Daß der Mann dieſelben alt hergebrachten Vor⸗ rechte fortwährend behält, wie jetzt...“
„Nun...“
„Daß aber die allgemeine Moral die Fehler des Weibes in demſelben Grad duldet.“
„Sie ſcherzen wohl, Madame?“.
Gabriele warf ihr Hanpt zurück, und betrachtete Gourville mit Schweigen.
„Ich ſcherze,“ ſagen Sie,„wahrhaftig Sie haben Recht. Ich mache eine Satyre über die Geſellſchaft, aber ich habe gleichwohl ſchon viele ſolche Grundſätze in vollem Ernſt aufgeſtellt geſehen.“
„Was verlangen Sie alſo, Madame?“
„Ich verlange nicht blos Gerechtigkeit für beide


